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20. století

Der Prager Frühling 1968

Eine Zeit der politischen Lockerung in der Tschechoslowakei
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Der Prager Frühling war eine Zeit der Lockerung und der politischen Reformen des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei, die durch den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes gewaltsam unterbrochen wurde.
Nach Stalins Tod im Jahr 1953 und dem von Chrustschow in der Sowjetunion eingeleiteten Trend kam es zu einer vorsichtigen Lockerung in den Staaten des Ostblocks, die sich auch - mit ersten Signalen Anfang der 60. Jahre - in der Tschechoslowakei bemerkbar machte. Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise war die Position von Präsident Antonín Novotný geschwächt, so dass allmählich auch Vertreter des Reformflügels in die Leitung der kommunistischen Partei gelangten. Am 5. Januar wurde Alexander Dubček erster Sekretär des Zentralkomitees der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei KSČ, und nach Abdankung von Präsident Novotný begann eine ganze Reihe von Reformen.
Diese führten zu einer erheblichen Liberalisierung und zu mehr Pressefreiheit; nach und nach wurde auch der Boden für die Einführung eines Mehrparteiensystems vorbereitet. Im April gab Dubček das Programm des "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" bekannt. Dadurch fühlten sich gegen das Regime gestellte Kräfte gestärkt, die sich um einen Zusammenschluss in neuen politischen Parteien bemühten; gleichfalls war eine Neugründung der sozialdemokratischen Partei geplant.
Diese Situation irritierte den Vorsitzenden des Obersten Sowjets, Leonid Breschnew, der Dubček und dessen Mitarbeiter im Juni zu bilateralen Gesprächen nach Čierna nad Tisou ein. Die Gespräche endeten in einem Kompromissabkommen, das auf einer Konferenz in Bratislava bestätigt wurde und die reaktionären Kräfte in der Tschechoslowakei einschränken sollte.
Die zweite Gesprächsrunde fand im August statt, wobei Dubček hier jedoch dem sowjetischen Druck sowie dem Druck seiner konservativen Parteikollegen standhielt. Für die sowjetische Seite war das Ergebnis der Gespräche nicht zufriedenstellend, so dass Breschnew

auch eine militärische Lösung in Erwägung zog. Diese trat dann nach mehreren Fehltritten des Reformführers der KSČ ein, der unter schweren psychischen Problemen litt. Dubček genoss große Unterstützung bei der Parteiführung der ungarischen Kommunisten, aber als er im Juli aus Protest nicht an einer wichtigen Konferenz in Warschau teilnahm, brachte er viele seiner Verbündeten an hohen Stellen der Warschauer-Pakt-Staaten gegen sich auf.
Unter anderem auch Dank der diplomatischen Unfähigkeit Dubčeks begannen die Armeen des Warschauer Paktes schließlich in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 mit der Invasion in die Tschechoslowakei. Dadurch war der Prager Frühling (wie die Periode der Lockerung später von der Auslandspresse bezeichnet wurde) jäh beendet, aber auch das Vertrauen der tschechoslowakischen Bevölkerung in die Sowjetunion erschüttert. Wichtig ist dabei anzumerken, dass die Invasion auf Einladung der Gegenspieler Dubčeks erfolgte, die noch vor Beginn erklärt hatten, dass sie die Invasion unterzeichnen würden, was jedoch ausnahmslos nicht geschah. Auf die Zeit der Lockerung folgte nun die bleierne Zeit der Normalisierung. Dubček wurde aus der KSČ ausgeschlossen und auf einen Posten als Forstbeamter in die Slowakei abgeschoben. Breschnew erwog zwischenzeitlich eine Rückkehr zum Stand vor der Invasion, da die Sowjets in der tschechischen Gesellschaft nur schwer Anhänger fanden. Schließlich wurde Dubček jedoch von Gustav Husák abgelöst, einem loyalen Konservativen, der sogleich mit der Normalisierungspolitik begann, die in unterschiedlicher Intensität den Großteil der 70. Jahre andauerte.
Der Prager Frühling wurde bald zum Symbol des Widerstands gegen ein totalitäres Regime und der Mobilisierung eines Volkes. Schließlich fand nach langen neunzehn Jahren unter der Federführung Michail Gorbatschows eine ähnliche Entwicklung in der Sowjetunion statt, die schließlich im Auseinanderfallen des Ostblocks und der Sowjetunion mündete.

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